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Frauenmantel – Wo der Tau verweilt

Erzählt von Tom, dem alten Waldarbeiter, der weiß, dass manche Pflanzen nicht laut wirken müssen, um Welten zu bewegen.


🌧️ Wo der Tau verweilt – Begegnung mit dem Frauenmantel

Der Morgen ist jung. Noch liegt Kälte über der Bergwiese, und jeder Schritt drückt leise Wasser aus dem Boden. Ich gehe langsam. Nicht aus Müdigkeit – sondern aus Respekt vor der Stunde.


Zwischen Gras und Moos liegen sie. Runde Blätter, weich gefaltet wie kleine Schalen. In ihrer Mitte ruht der Tau. Klar. Still. Perfekt.

„Nicht jede Pflanze lässt das Wasser los. Manche bewahren es.“

Der Frauenmantel sammelt. Er lässt nichts einfach abfließen. Nicht den Tau, nicht die Kraft, nicht die Geschichten, die sich an ihm festgesetzt haben. Er ist eine Pflanze der Stille. Eine, die wartet, bis man genau hinsieht.


Frauenmantel mit Tautropfen im Vordergrund, während Alchemisten in der Morgendämmerung Tau sammeln auf einer nebligen Wiese.

🏺 Herkunft, Geschichte & Name – Alchemie im Gras

Der Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) ist in Europa heimisch. Besonders dort, wo die Landschaft rauer ist: in Bergen, auf Wiesen, an kühlen Wegrändern, wo der Boden noch atmen darf.


Sein Name trägt eine alte Sehnsucht in sich. Alchemilla stammt von der Alchemie. Die alten Alchemisten glaubten, der Tau, der sich in den Blättern sammelt – das Aqua caelestis, das Himmelswasser – sei besonders rein. Sie sammelten ihn in der Morgendämmerung, um Gold zu gewinnen oder Elixiere des Lebens zu brauen.


Im Mittelalter fand der Frauenmantel seinen festen Platz in der Klostermedizin. Nicht als Wunderpflanze – sondern als verlässlicher Begleiter.


Der deutsche Name erzählt eine andere Geschichte. Die Blätter umhüllen, schützen, legen sich wie ein Mantel um das, was darunter liegt.

„Manche Pflanzen sind keine Werkzeuge. Sie sind Zufluchtsorte.“

🌱 Aussehen, Lebensweise & Jahreszeit

Der Frauenmantel drängt sich nicht auf.


Seine Blätter sind fächerförmig, weich behaart, mit gezacktem Rand. Sie liegen dicht am Boden, bilden Polster, halten Feuchtigkeit fest.


Die Blüten sind unscheinbar – gelbgrün, klein, fast übersehbar. Keine Pflanze für den schnellen Blick.


Wuchsorte: Bergwiesen, feuchte Wiesen, Wegränder, lichte Wälder

Blütezeit: Mai bis August


Besonders ist seine Fähigkeit zur Guttation. Selbst ohne Regen sammelt sich Wasser auf den Blättern. Nicht von außen – sondern aus der Pflanze selbst.


Der Frauenmantel gibt nichts preis, was er nicht selbst hervorgebracht hat.

⚠️ Giftigkeit & Sicherheit

Der Frauenmantel ist nicht giftig.


Er gilt als sehr gut verträglich, auch für empfindliche Menschen. Gesammelt werden junge, gesunde Blätter von sauberen Standorten.

„Der Frauenmantel ist keine Pflanze, die dir schadet. Sie zieht eher etwas von dir ab.“

Spannung. Unruhe. Übermaß.


💊 Heilkraft – Das Kraut der Mitte

Der Frauenmantel wirkt nicht einseitig. Er gleicht aus.


Inhaltsstoffe:

  • Gerbstoffe

  • Flavonoide

  • Bitterstoffe

  • Spuren von Salicylsäure


Wirkungen:

  • zusammenziehend

  • entzündungshemmend

  • blutstillend

  • regulierend


Traditionell wird er genutzt in der Frauenheilkunde – bei Zyklusbeschwerden, zur Stärkung nach der Geburt, in den Wechseljahren.


Auch bei Wunden, Durchfall, Magen-Darm-Beschwerden und zur allgemeinen Kräftigung nach Krankheiten.


Er stärkt, ohne zu drücken. Ordnet, ohne zu zwingen.

„Der Frauenmantel hält die Mitte, wenn alles andere schwankt.“

🌌 Mythologie, Volksglaube & Symbolik

Der Frauenmantel galt als Pflanze des Mondes und des Weiblichen. Nicht im Sinne von Schwäche – sondern von Rhythmus, Sammlung und Erneuerung.


Man legte ihn in Wiegen, hängte ihn an Häuser, nutzte ihn als Schutzkraut für Kinder und Hof.

Der Tau in seinen Blättern wurde als Himmelsträne gesehen – ein Geschenk, das nur dem Geduldigen gehört.


Symbolisch steht der Frauenmantel für Schutz, Heilung, innere Ordnung.

„Der Frauenmantel heilt nicht durch Kampf. Er heilt durch Zusammenhalten.“

🌍 Ökologie, Wildniswissen & moderne Bedeutung

Heute ist der Frauenmantel Teil naturnaher Wiesen und wichtiger Lebensraum für Insekten.

Er wird genutzt in der Phytotherapie, in Naturkosmetik, in der Selbstversorgung. In Permakulturen schätzt man seine bodenschützende, ausgleichende Art.


Wo er wächst, ist der Boden noch lebendig.

„Wo Frauenmantel wächst, ist die Erde nicht zerbrochen – nur müde.“

Man muss sich nur zu ihr hinunterbeugen.


Und zuhören.

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