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Giersch – Die Pflanze, die bleibt

Aktualisiert: 6. Jan.

Erzählt von Tom, dem alten Waldarbeiter, der gelernt hat, dass manche Pflanzen nicht ausgerottet werden können – weil sie genau dafür gemacht sind, zu bleiben.


🌱 Wo nichts ihn aufhält – Begegnung mit dem Giersch

Der Waldrand liegt im Halbschatten. Alte Buchen, feuchte Erde, das Licht gefiltert wie durch schmutziges Glas. Unter meinen Stiefeln kein nackter Boden, kein Moos, kein Gras. Nur ein grüner Teppich. Blatt an Blatt. Dreigeteilt. Unaufhaltsam.


Giersch.


Ich habe ihn mit der Hacke bekämpft. Mit dem Spaten. Mit Frost und Trockenheit. Ich habe ihn ausgerissen, ausgegraben, verflucht. Und jedes Jahr stand er wieder da – früher als alles andere, frischer, dichter, entschlossener.

„Manche Pflanzen bitten um Platz. Der Giersch nimmt ihn sich.“

Er wächst in Gärten, in Wäldern, an Wegen, in Ruinen. Wo Menschen sind oder waren, ist auch er. Der Giersch ist keine Pflanze des Rückzugs. Er ist eine Pflanze der Beharrlichkeit. Ein Stück rohe Lebensenergie, das sich nicht entschuldigt.


Giersch wächst dicht im Vordergrund eines Klostergartens, während Nonnen und Mönche zwischen den Bögen einer Abtei spazieren.

🏺 Herkunft, Geschichte & Name – Der Fuß der Ziege

Der Giersch (Aegopodium podagraria) stammt ursprünglich aus Europa und Westasien. Er ist kein moderner Eindringling. Er war schon da, lange bevor wir begannen, Ordnung schaffen zu wollen.

Sein Name erzählt seine Geschichte.


Aegopodium – der „Ziegenfuß“. Ein Blick auf das Blatt genügt: dreigeteilt, gespreizt, wie der Abdruck eines Hufs im feuchten Boden.


Podagraria verweist auf Podagra – die Gicht. Eine Krankheit, die Knochen brechen kann, ohne sie zu zerbrechen. Genau dort lag eine der großen Stärken des Gierschs.


Schon in der Antike wurde er gezielt angebaut. Nicht als Zierde, sondern als Medizin und Gemüse. Im Mittelalter pflanzten Mönche ihn bewusst in ihre Klostergärten. Sie wollten eine zuverlässige Heilpflanze. Sie bekamen mehr als das.

„Der Giersch kam nicht zufällig. Der Mensch hat ihn gerufen – und nie wieder losgelassen.“

Mit jedem Klostergarten, mit jeder Siedlung wurde er weitergetragen. Und er tat, was er am besten kann: bleiben.


🌿 Aussehen, Lebensweise & Jahreszeit

Der Giersch ist unscheinbar – bis man genauer hinsieht.


Die Blätter sind dreigeteilt, gezähnt, leicht asymmetrisch. Der Stängel ist hohl, kantig, biegsam. Im Frühsommer erscheinen weiße Doldenblüten, fein und zahlreich, fast harmlos wirkend.


Doch unter der Erde liegt seine wahre Kraft.


Ein verzweigtes Rhizomnetz, das sich ausbreitet wie ein Gedankengang ohne Ende. Schneidet man ein Stück heraus, wachsen zwei neue. Lässt man ein Fragment zurück, beginnt alles von vorn.


Wuchsorte: Gärten, Waldränder, Auen, schattige Plätze

Wachstumszeit: März bis Oktober – oft einer der ersten Austriebe im Frühjahr


Der Giersch wartet nicht. Er ist bereit, wenn andere noch schlafen.

⚠️ Giftigkeit & Verwechslungsgefahr – Wissen ist Pflicht

Giersch ist ungiftig und essbar.


Aber das Wissen darum ist kein Freifahrtschein.


In seiner Familie gibt es tödliche Doppelgänger: den Gefleckten Schierling, die Hundspetersilie. Wer sie verwechselt, spielt nicht mit Bauchweh – sondern mit dem Leben.


Sichere Merkmale des Gierschs:

  • dreigeteilte, asymmetrische Blätter

  • kantiger, hohler Stängel

  • deutlicher Möhren- oder Selleriegeruch beim Zerreiben

„Der Giersch verzeiht dir. Seine Doppelgänger nicht.“

Wer sammelt, muss wissen. Alles andere ist Leichtsinn.


💊 Heilkraft – Das Kraut gegen Gicht und Entzündung

Der Giersch war nie die Medizin der Reichen. Er war die Medizin derer, die nichts anderes hatten – und trotzdem weiterarbeiten mussten.


Inhaltsstoffe:

  • Vitamin C

  • Kalium

  • Magnesium

  • Flavonoide

  • ätherische Öle


Wirkung:

  • entzündungshemmend

  • harntreibend

  • stoffwechselanregend

  • entlastend für Gelenke


Traditionell nutzte man ihn bei Gicht, Rheuma und Arthritis. Als Tee, als Umschlag, als frisches Blatt direkt auf schmerzende Stellen gelegt. Im Frühjahr als Kur, um den Körper wieder in Bewegung zu bringen.


Wirksam. Kostenlos. Immer verfügbar.


Deshalb nannte man ihn später abschätzig ein „Unkraut“.


🌌 Mythologie, Volksglaube & Symbolik

Der Giersch war nie eine zarte Pflanze für schöne Geschichten.


Er stand für Beharrlichkeit. Für Wiederkehr. Für das Überleben gegen Widerstände. In manchen Regionen glaubte man, er schütze vor Schwäche und langem Siechtum.


Er ist keine Pflanze des Triumphs.


Er ist eine Pflanze des Durchhaltens.

„Der Giersch lehrt dich, dass Aufgeben keine Option ist.“

🌍 Wildküche, Ökologie & moderne Bedeutung

In der Wildküche erlebt der Giersch heute eine stille Wiederentdeckung.


Junge Blätter schmecken mild, fast wie Petersilie oder Sellerie. Man nutzt sie als Spinat, Suppe, Pesto. Nahrhaft, mineralreich, ehrlich.


Ökologisch ist er ein wichtiger Bodenbedecker. Er schützt den Boden vor Austrocknung, bietet Insekten Nahrung und Raum.


Vielleicht ist es Zeit, die Perspektive zu wechseln.

„Wer den Giersch versteht, hört auf, gegen ihn zu kämpfen – und beginnt, mit ihm zu leben.“

Er kommt immer wieder.


Nicht, um dich zu ärgern.


Sondern um zu zeigen, was Überleben wirklich heißt.

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