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Der Wels – Der Gigant der Tiefe

Aktualisiert: 14. Okt. 2025

Ein großer Wels (Silurus glanis) schwimmt majestätisch in einem trüben, goldbraunen Flusswasser über sandigem Grund. Seine langen Barteln tasten die Umgebung ab, während Sonnenstrahlen durch die Tiefe fallen und den massigen Körper leicht beleuchten. Im Hintergrund liegen versunkene Äste und Wurzeln.

🌲 Einleitung – Wenn das Wasser plötzlich lebt

Es ist Nacht am Fluss. Der Mond spiegelt sich im träge fließenden Wasser, Frösche quaken, und irgendwo schlägt ein Fisch mit dumpfem Laut. Dann – ein Schwall, ein dumpfes Grollen unter der Oberfläche. Das Wasser bebt. Der Wels ist wach.

„Wer einen Wels fangen will, muss Geduld haben – und starke Nerven.“ – Alte Fischerweisheit

Ich erinnere mich an meinen ersten. Ich saß am Ufer der Saar, der Nebel hing schwer, und der Köder lag schon Stunden im Wasser. Plötzlich ein Ruck, so gewaltig, dass ich fast rückwärts fiel. Der Drill dauerte ewig. Als der Fisch endlich an die Oberfläche kam, war er größer als mein Bein – ein Schatten aus der Tiefe, uralt und wild. Seitdem weiß ich: Der Wels ist kein Fisch. Er ist ein Erlebnis.


🌍 Lebensraum & Verbreitung

Der Wels (Silurus glanis) ist der größte Süßwasserfisch Europas – ein Gigant der Flüsse und Seen. Sein Reich reicht von Zentraleuropa bis zum Schwarzen Meer, von Spanien bis Russland. In Deutschland, Frankreich, Tschechien und Ungarn findet man ihn in fast allen großen Gewässern. Besonders stark ist er in der Donau, dem Po, der Elbe und der Saône vertreten.


Er liebt warme, tiefgründige Flüsse, Altarme, Stauseen und Baggerseen mit reichem Nahrungsangebot. Ideal ist Wasser über 18 °C, doch er übersteht auch kühlere Perioden problemlos.


In Nordamerika gibt es ähnliche Arten, etwa den Blue Catfish oder Flathead Catfish, die wie der Wels echte Flussmonster sind.


🐟 Erkennungsmerkmale & Biologie

Der Wels ist unverwechselbar: ein massiger Körper ohne Schuppen, eine breite, flache Kopfpartie, und das Maul – groß genug, um eine Ente zu verschlingen. Typisch sind seine langen Barteln, die er wie Antennen benutzt, um Beute im Dunkeln aufzuspüren.


Seine Haut ist glatt, schleimig und von dunklem, marmoriertem Grau bis hin zu fast schwarzem Ton. Die Bauchseite ist meist hell. Er kann über 3 Meter lang und über 100 Kilogramm schwer werden – Rekorde aus Spanien und Italien belegen das.


Nahrung: Alles, was sich bewegt. Fische, Frösche, Ratten, Aale, ja, sogar Tauben, die zu nah am Wasser landen. Doch trotz seines furchteinflößenden Rufs ist der Wels kein unkontrollierter Räuber, sondern ein präziser, intelligenter Jäger.


🪶 Mythologie, Sagen & Volksglaube

Der Wels war schon immer ein Wesen der Legenden. In alten slawischen Sagen hieß es, er sei ein „Dämon der Tiefe“, der die Seelen der Ertrunkenen bewache. In deutschen Fischererzählungen sprach man vom „Wasserbullen“, einem riesigen Wels, der Boote umwarf und Netze zerriss.


Eine alte RuggedBears-Legende erzählt, dass in einem Waldsee ein Wels lebt, so alt wie der Wald selbst. Wenn jemand seine Ruhe stört, erscheint er – groß wie ein Baumstamm, mit Augen, die glühen wie Kohlen. Doch wer ihm mit Respekt begegnet, soll Glück beim Fischen finden.

„Der Wels ist kein Monster – er ist der Wächter der Tiefe.“

🍂 Fangzeit & Verhalten im Herbst

Der Herbst ist Welszeit. Wenn das Wasser abkühlt und die Nächte länger werden, zieht der Wels in tiefe Gumpen und Löcher, wo er sich auf den Winter vorbereitet. Doch bevor er zur Ruhe kommt, frisst er sich voll – und das ist deine Chance.


Die besten Fangzeiten: Abends bis spät in die Nacht, besonders bei stabilem Luftdruck und leichtem Wind. Ideal sind Wassertemperaturen zwischen 12 und 18 °C. Im Herbst beißen die großen Exemplare besonders gut auf Köderfische, Tintenfisch oder große Gummifische.


Spinnangler sollten mit kräftigen Gummifischen (20–30 cm) und Schwanzdrillern arbeiten, während Ansitzangler auf Köderfisch-Montagen oder Wurmbündel setzen. Ein kräftiger Geruch hilft – Welse jagen mit der Nase.


🧰 Ausrüstung & Köder

Beim Welsangeln trennt sich der Waldspaziergänger vom Krieger. Du brauchst robustes Gerät – sonst bist du nur Zuschauer.


Rute: 2,70–3,00 m, Wurfgewicht 300–600 g. Rolle: Große Stationärrolle (10.000er Klasse) oder Multirolle mit kräftiger Bremse. Schnur: Geflochten (0,40–0,60 mm / 60–100 kg Tragkraft).


Haken: Einzelhaken oder Drillinge (Größe 4/0–8/0). Vorfach: Kevlar oder Stahl, Länge 1–1,5 m.

Beliebte Köder: Köderfische, Tauwurmbündel, Pellets oder Kalamarstücke. Beim Spinnfischen: Shads, Blinker, Wobbler oder Vertikalköder – groß, auffällig, lebendig.

🗺️ Fanggebiete – Wo die Giganten wohnen

In Deutschland sind die Donau, der Main, der Rhein, die Elbe und ihre Altarme Top-Adressen. Auch Frankreichs Rhône und Saône, Italiens Po und Spaniens Ebro gelten als Mekkas der Welsangler.


In Ungarn und Tschechien finden sich große Bestände in warmen Stauseen. Und wer nach Nordamerika blickt, entdeckt dort die Blue Catfish und Flathead Catfish – würdige Vettern, die ähnlich groß und kampfstark sind.


⚙️ Besonderheiten & Kurioses

Welse sind nachtaktiv und hören extrem gut. Sie orten Beute über Schallwellen und Vibrationen, sogar über große Distanzen. Manche Wissenschaftler vermuten, dass sie Infraschall wahrnehmen können – also Schwingungen, die Menschen nicht hören.


Ihre Haut reagiert auf kleinste Bewegungen im Wasser. Sie sind fast blind, aber im Dunkeln allwissend. Und sie wachsen ein Leben lang – je älter, desto größer.


Rekordfänge erreichen über 2,80 m und 150 kg – echte Urtiere.


🌅 Fazit – Der Geist der Tiefe

Der Wels ist kein Fisch für schwache Hände. Er ist der Urvater des Wassers, ein Relikt aus einer Zeit, als Menschen noch Feuer statt Strom kannten. Wer ihn fängt, begegnet einem Stück Wildnis, das größer ist als das eigene Ego.


Ich sage immer: Einen Wels fängt man nicht – er lässt sich nehmen, wenn er will. Und wenn er nicht will? Dann sitzt du wenigstens am Fluss, hörst den Wind, und weißt, dass er irgendwo da unten ist.


Also schnapp dir die Rute, nimm eine Taschenlampe, und geh raus, wenn der Nebel aufzieht. Vielleicht bekommst du keinen Biss. Aber vielleicht hörst du ihn – das dumpfe, uralte Atmen der Tiefe.


Und falls du ihn wirklich fängst – sag ihm, Tom hat’s dir erlaubt. 😉

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