Die Schleie – Der stille Zauberer des Sees
- Raphael Poupart
- 8. Okt. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Okt. 2025

🌲 Einleitung – Wenn der Morgennebel Geschichten erzählt
Es gibt Morgen, da liegt der See so ruhig, dass man fast das Atmen der Fische hört. Der Nebel hängt tief, ein Reiher zieht lautlos vorbei, und das Schilf raschelt nur leicht. Ich sitze da, mit einer Tasse Kaffee und der Rute im Halter, und weiß: Heute ist Schleienwetter.
„Die Schleie kommt nicht mit Lärm – sie kommt, wenn du still wirst.“ – Alte Fischerweisheit
Ich erinnere mich an meinen ersten Fang. Ein kleiner, goldgrüner Fisch, kaum zu glauben, dass so ein stilles Wesen so stark ziehen kann. Kein Raubfisch, kein Jäger – und doch kämpft sie, als wolle sie dich prüfen. Wer einmal eine Schleie gefangen hat, weiß: Das ist kein gewöhnlicher Fang. Das ist ein Stück Zauberei aus dem Wasser.
🌍 Lebensraum & Verbreitung
Die Schleie (Tinca tinca) ist in ganz Europa heimisch – von den britischen Inseln bis nach Russland – und wurde auch in Teilen Nordamerikas eingeführt. Sie liebt ruhige, verkrautete Gewässer, Altarme, Teiche, und Seen mit weichem Grund.
Sie bevorzugt Temperaturen zwischen 18 und 24 °C und meidet kalte, schnell fließende Flüsse. Im Sommer sieht man sie oft in den flachen, pflanzenreichen Zonen, wo sie im Schlamm nach Nahrung sucht. Im Winter zieht sie sich in tiefere Bereiche zurück und ruht – manchmal zu mehreren zusammen.
Die Schleie ist zäh, robust und passt sich fast jedem Lebensraum an. Wo andere Fische verschwinden, bleibt sie – die stille Überlebenskünstlerin der Seen.
🐠 Erkennungsmerkmale & Biologie
Die Schleie ist leicht zu erkennen. Ihr Körper ist oval, kräftig gebaut und mit kleinen, festen Schuppen bedeckt. Ihre Farbe reicht von dunkelgrün bis goldbraun, manchmal fast schimmernd wie Bronze. Die Flossen sind abgerundet, oft rötlich getönt, und ihre Augen leuchten rot-orange – wie kleine Glutpunkte im Nebel.
Typisch sind auch die zwei kleinen Bartfäden am Maul – Werkzeuge, mit denen sie im Schlamm nach Würmern und Schnecken gräbt. Sie kann bis zu 70 cm lang und über 4 Kilogramm schwer werden, meist liegt sie aber zwischen 25 und 40 cm.
Ihre Haut ist von einer schleimigen Schicht überzogen – daher auch ihr Name. Früher glaubte man, dieser Schleim habe heilende Kräfte, besonders für Wunden und Hautkrankheiten. Ob das stimmt? Schwer zu sagen – aber es klingt, als hätte die Natur ihre eigene Medizin erschaffen.
🪶 Mythologie, Sagen & Volksglaube
In alten Zeiten nannte man sie den „Arzt des Teiches“. Man glaubte, dass andere Fische gesund blieben, solange Schleien im Gewässer lebten. Bauern setzten sie sogar in Dorfteiche, um das Wasser „rein und lebendig“ zu halten.
In nordischen Legenden heißt es, dass die Schleie von einem Waldgeist gesegnet wurde, weil sie nie kämpfte, sondern mit Geduld und Ruhe durchs Leben zog. Dafür gab er ihr die Fähigkeit, „die Wunden des Wassers zu heilen“ – ein Geschenk der Stille.
Eine RuggedBears-Geschichte erzählt, dass Tom einmal eine Schleie fing, die aussah, als hätte sie goldene Punkte auf der Haut. Er ließ sie frei, und am nächsten Tag kam Regen nach drei Wochen Dürre. Seitdem sagt man hier:
„Wer eine goldene Schleie freilässt, schenkt dem Land Wasser.“ – RuggedBears Spruch aus dem Wald
🍂 Fangzeit & Verhalten im Herbst
Wenn der Sommer vergeht und die Nächte länger werden, wird die Schleie vorsichtiger. Doch gerade im Herbst, wenn das Wasser langsam abkühlt, lassen sich die großen Exemplare noch gut fangen. Jetzt fressen sie sich Energiereserven für den Winter an.
Die besten Fangzeiten sind frühmorgens und in der Abenddämmerung, besonders bei leicht bewölktem Himmel und ruhigem Wasser. Sie bevorzugt den Grund und liebt weiche, schlammige Bereiche mit Kraut.
Ideal sind Wurm, Mais, Maden, Teig oder Tauwurm – gern mit etwas süßlichem Duft wie Vanille oder Karamell. Geduld ist entscheidend: Eine Schleie prüft, bevor sie nimmt. Wenn der Schwimmer nur leicht wackelt – warte. Wenn er langsam abtaucht – jetzt!
🧰 Ausrüstung & Köder
Die Schleie ist kein Fisch für grobes Gerät. Eine feine Grund- oder Posenrute (2,70–3,60 m) reicht völlig. Wichtig ist eine sensible Spitze und ein feines Vorfach (0,16–0,20 mm). Eine kleine Stationärrolle (Größe 1000–2000) mit monofiler Schnur (0,20–0,25 mm) passt perfekt.
Haken: Größe 8–12, je nach Köder. Posenangeln funktioniert besonders gut in krautigen Bereichen mit 1–2 g Tragkraft. Wer auf Nummer sicher gehen will, legt eine Grundmontage mit Futterkorb aus.
Lockfutter darf fein, dunkel und leicht süßlich sein – Paniermehl, Vanille, Hanf und ein Schuss Honig wirken Wunder.
🗺️ Fanggebiete – Wo die Stille wohnt
Die besten Schleiengewässer sind krautreiche Seen und Teiche, aber auch ruhige Flussabschnitte. In Deutschland sind besonders der Müritz-Nationalpark, die Bodenseeregion, die Eifel-Seen und viele bayerische Weiher bekannt.
In Großbritannien gilt die Schleie als „The Tench“ – ein Kultfisch für Feinschmecker unter den Anglern. In Osteuropa, besonders in Polen, Ungarn und Tschechien, werden jährlich wahre Schleien-Schätze gefangen.
⚙️ Besonderheiten & Kurioses
Die Schleie ist ein Geduldsspieler. Sie beißt selten hart, sondern „nuckelt“ den Köder lange. Dafür belohnt sie den, der ruhig bleibt, mit purem Stolz.
Früher glaubte man, Schleien könnten unter Wasser schlafen. Tatsächlich verharren sie stundenlang reglos im Schlamm, mit nur minimalem Sauerstoffverbrauch – fast wie in Trance. Wissenschaftler haben bestätigt, dass sie sich bei Kälte in eine Art Winterstarre versetzen.
Der Rekord liegt bei über 5,7 Kilogramm, gefangen in England. Ein Fisch, so alt wie die Zeit selbst.
🌅 Fazit – Der Zauber der Ruhe
Die Schleie ist kein Fisch für Eilige. Sie belohnt den, der still wird, der beobachtet, der den See spürt. Sie lehrt dich Geduld – und zeigt dir, dass Stille manchmal mehr sagt als Worte.
Ich sage immer: Wer eine Schleie fängt, hat den Frieden des Wassers berührt. Und wenn sie dich austrickst? Dann hat sie dir nur gezeigt, dass man im Leben manchmal loslassen muss.
Also, geh raus, wenn der Nebel aufsteigt, und hör dem Wasser zu. Vielleicht flüstert es dir zu, wo die goldene Schleie schläft.
Und wenn du sie fängst – sag ihr, Tom schickt Grüße. 😉



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